Andrea Marcon dirigiert Mozart-Overtüren
Durchgehend spannend
... Nein, hier wird nicht an Energie gespart: Marcon heizt seinem Orchester La Cetra aus Basel kräftig ein. Selbst in den kurzen Pausen zwischen den Akkordsäulen der Ouvertüre zu Mozarts "Don Giovanni" liegt ein Knistern in der Luft. Und die Spannung bleibt dem Hörer erhalten. Nirgendwo lässt es Marcon zu, dass auch nur ein Funke den vibrierenden Spannungsbogen verlässt. Solche weiten Bögen dominieren Marcons Interpretation fast sämtlicher Mozart-Ouvertüren....
Frisch, transparent und gnadenlos präzise...
Dass hier alles so frisch und transparent klingt, liegt vor allem an den noch relativ jungen Orchestermusikern. Mit beinahe gnadenloser Präzision gestalten Streicher wie Bläser ihre Läufe, übernehmen die Motive der Anderen und formen die großen Klangballungen am Beginn vieler Ouvertüren...
CD-Tipps / Jan Ritterstaedt / ndr Kultur / 26.04.2011
Toutes les ouvertures
... Une excellente idée soutenue par une interprétation particulièrement décapante. Que demande le peuple des mélomanes classiques? Orchestre bâlois sur instruments d’époque, La Cetra ne laissera personne indifférent, surtout pas ceux qui croyaient connaître ces œuvres par cœur. Le chef vénitien Andrea Marcon façonne la matière orchestrale en sculpteur, opposant violemment les registres, bois et cordes contre cuivres et timbales. Le résultat est à la fois brillant et révélateur, peut-être un peu trop extrême pour les oreilles préférant le son «fusionnel» des orchestres modernes. Mais quelle énergie!
Classique / L.S. / Tribune de Genève / 18.04.2011
An Mozart zeigen wir unsere Qualität
Andrea Marcon bringt mit dem Basler Barockorchester La Cetra zwei CDs heraus
VON CHRISTIAN FLURI
Andrea Marcon, der Barockspezialist aus Treviso und bei der Deutschen Grammophon (DG) unter Vertrag, hat dem Basler Barockorchester La Cetra das Tor zum berühmten gelben Label geöffnet.
... spielte La Cetra mit Mojca Erdmann «Mostly Mozart» mit dem grossen Engagement und Können, welches das Orchester ausweist. Zugleich spielte der 48-jährige italienische Dirigent mit seinem Orchester bei DG eine weitere CD ein: «Mozart Overtures» enthält alle Opern-Vorspiele des grossen Meisters.
Erstmals alle Ouvertüren
«Es hat bisher keine einzige CD gegeben, auf der alle Mozart-Ouvertüren enthalten sind», erklärt Marcon. ... Und mit Mozart könne das Orchester in allen Registern bestens seine hohe Qualität zeigen. «In ‹Le nozze di Figaro› zum Beispiel ging Mozart an die Grenzen der Spielbarkeit», fügt Marcon an. Mehr noch spricht für die integrale Einspielung. Die Entwicklung des 11-jährigen Knaben, der ‹Apollo et Hyacinthus› schrieb, bis zum grossen Meister, wie er sich in den Singspielen und Da-Ponte-Opern zeige, könne dank der chronologischen Abfolge Schritt um Schritt mitverfolgt werden. Marcon lobt die Raffinesse und den virtuosen Umgang schon des Knaben Mozart mit dem musikalischen Material. Die ersten Ouvertüren fussen noch im Barock – auch in der instrumentalen Besetzung. «Da denkt man, die Ouvertüre diene dazu, das Publikum zum Schweigen zu bringen, wie dies auch bei Vivaldi der Fall war.» In den späten Vorspielen erkennen wir den Erneuerer, der das ganze Konfliktpotenzial, Licht und Abgründe der Figuren, in die vier- bis sechsminütigen Stücke packt. «Es gibt keinen anderen Komponisten, der es schaffte, in so kurzer Zeit, so viel und so vielschichtig zu erzählen.»
Impulsgeber auch als Begleiter
Auch zum «Mostly Mozart»-Programm, das Mojca Erdmann selbst zusammengestellt hat, findet Marcon viel lobende Worte. Neben Arien von Mozart singt sie Unbekanntes aus dessen Umfeld. So lernen wir den von Mozart hoch geschätzten, heute weitgehend vergessenen Komponisten Ignaz Holzbauer kennen, der berührende Arien schrieb. Aufgabe für Orchester und Dirigent sei es, als Begleiter der Solistin den Boden zu schaffen, auf dem sie ihre Kunst entfalten könne. Dass er und La Cetra im steten Dialog mit der Sängerin als vorwärtstreibender Kraft eigene Impulse setzten, versteht sich bei Andrea Marcon von selbst.
az/06.04.2011
CD News - Mojca Erdmann
„Dirigent Andrea Marcon ist ein exzellenter Begleiter, der für ein Wechselspiel auf Augenhöhe zwischen Sopranistin und Orchester sorgt, für gefühlvolles Ausschwingen ebenso wie für viriles, spritzig buntes Treiben.“
Record Review / Ralf Tiedemann, Das Opernglas (Hamburg) / 01.03.2011
